Counselling heißt beraten

Counselling ist eine interaktive, für den Klienten positive Beziehung, bei der es um die Themen des Klienten geht. Dies können soziale, kulturelle und emotionale Themen sein. Der Counsellor nähert sich ihnen auf eine ganzheitliche Weise.

Der Klient kann eine Person sein, eine Familie, eine Gruppe oder eine Institution.

Das übergeordnete Ziel von Counselling ist es, dem Klienten zu helfen, neue Möglichkeiten zu erkennen, und ihn dabei zu unterstützen, als Individuum und als Mitglied einer Gesellschaft auf eine befriedigendere und sozial kompetentere Weise zu leben.

Der Counsellor Professional kann in spezifischen Situationen hinzugezogen werden, um Entscheidungen zu fällen oder um kritische Situationen persönlich zu bewältigen.

Der Counsellor Professional kann dem Klienten helfen, Beziehungsthemen zu lösen, indem er seine Aufmerksamkeit auf sich selbst, seine Emotionen, Erwartungen und sein Verhalten lenkt. Hierfür arbeiten Counsellor mit Gefühlen, Gedanken und Wahrnehmungen der Klienten und lenken ihre Aufmerksamkeit auf innere und äußere Konflikte.

 

Weiteres über die Entwicklung des Counsellings

Es gibt inzwischen viele Arten von Beratern. Beraten ist im eigentlichen Sinne aber noch kein Beruf. Viele Fachleute haben in unterschiedlichen Situationen beratende Funktion, machen Beratung.

 

Was tun wir aber mit Themen, für die wir selbst die Fachleute sind? Von wem holen wir dafür Rat?

Oftmals ist es gar nicht so einfach zu erkennen, wann wir selbst die Fachleute sind. In Beziehungsfragen oder bei Stress bei der Arbeit fragen manche von uns Freunde oder Verwandte. Der Freund sagt uns dann, wie er es sieht. So, als sei er die Fachperson in Beziehungsfragen. Beziehungen, Gefühle, persönliche Dynamiken, Ziele und Werte usw. sind aber sehr persönliche, sehr subjektive Aspekte unseres Lebens. Letztlich kann hier niemand besser raten als wir selbst. Dass dies manchmal nicht gelingt, liegt daran, dass das Leben oft widersprüchlich ist und unsere Gefühle und Gedanken uns gerne Streiche spielen.

 

Aus dieser Situation heraus suchen wir oftmals eine Fachperson, vor allem seit der Dorfälteste, der Pfarrer oder der kluge Apotheker seine diesbezügliche Funktion verloren haben.

 

Aus diesem Bedürfnis heraus entwickelte sich seit etwa 40 Jahren in den angelsächsischen Ländern das Berufsbild des Counsellors und ein Jahrzehnt später in den deutschsprachigen Ländern das des Lebensberaters.

 

Nach meiner persönliche Ansicht ist einer der Gründe, weswegen sich in den letzten Jahrzehnten eine Nachfrage nach Counselling entwickelt hat, in der Veränderung unserer Arbeitswelt zu suchen. Die Anforderungen werden allgemein höher, die Notwendigkeit in Beziehungen zurecht zu kommen, wird immer wichtiger. Arbeitskräfte, für die auf Beziehungsebene eine besondere Umgangsform gewählt werden muss, sind von Firmen nicht mehr zu gebrauchen. Freiräume zum Alleine Sein, zur Kontemplation und Verarbeitung von Geschehenem werden kleiner, und die Menschen, die uns umgeben, und uns zuhören könnten, bzw. sich unserer zumindest für eine kurze Zeit annehmen könnten, sind hierzu viel zu beschäftigt.

 

Die British Association of Counselling wurde 1970 gegründet.

Die Figur des Counsellors hat sich in Großbritannien in den letzten 40 Jahren stark entwickelt, und auf europäischer Ebene hat die European Assciation of Counselling (EAC) sich stark am englischen Modell orientiert. Der Counsellor ist in Großbritannien eine reguläre Berufsgruppe im psychosozialen Feld.

Auch in Großbritannien stellte man sich die Frage: Was macht der Psychotherapeut, was macht der Counsellor? Letztlich hat es sich so beantwortet, als dass das Aufgabenfeld der Psychotherapeuten in Großbritannien stärker von diagnostizierten Krankheiten bestimmt ist, während die Counsellor eher im Vorfeld von Krankheiten in schwierigen Lebenssituationen aktiv sind. D.h. Der Psychotheapeut arbeitet eher in einem Praxisraum, während der Counsellor in größeren Kontexten bei den Menschen selbst arbeitet, und von Spenden oder der Gemeinschaften gehörenden Geldern bezahlt wird. Die Berufsgruppen teilen sich aber auch einiges und so ging im Jahr 2002 die Berufsgruppe der Psychotherapeuten auch unter das Dach der Counsellor, seitdem heißt sie British Association of Counselling and Psychotherapy.

 

Diese Trennungslinie, wie sie sich in Großbritannien historisch ergeben hat, wird hier in Italien sicher nicht so nachvollzogen werden. Im Gesundheitsbereich und noch mehr in den Bereichen Psychiatrie, Psychologie, Psychosoziales, Soziales, haben die legalen, organisatorischen und kulturellen Modelle jeden Landes eine wesentliche Definitionsmacht. Vor allem sind die Finanzierungsmodelle von Gesundheit und Sozialem nicht vergleichbar. Hinzu kommt, dass sich inzwischen die Berufsbilder weiter entwickelt haben. Heute gehen die Psychologen aus ihren Praxisräumen raus, fokussieren inzwischen stark auf Beziehungen und arbeiten mit Familien und Gruppen. Psychiater definieren immer mehr Varianten der Normalität als krank. Das Tätigkeitsspektrum beider Professionen hat sich in den letzten 40 Jahren, aber vor allem in den letzten 20 Jahren deutlich erweitert, und sie werden sich auch kaum wieder zurück drängen lassen.
D.h. die Einordnung des Councellors zwischen den anderen Berufsgruppen startet in Italien, Deutschland und Österreich unter anderen Voraussetzungen als in England. Dies ändert aber nichts am Bedarf und an der Professionalität, die inzwischen durch die Ausbildungscurricula garantiert wird.

 

In Italien gibt es sehr viele Psychologen (1/3 aller europäischen Psychologen sind Italiener). Sie arbeiten nicht alle in ihrem Beruf. Letztlich arbeiten die Psychologen mit Klienten, bei denen letztere das Gefühl haben, dass ihnen wirklich geholfen wird.

So ähnlich wird es auch bei den Counsellorn sein. Wer sich als freier Counsellor niederlassen möchte, muss intensiv an sich und seiner Professionalität arbeiten. Eine Trainerin für Counsellor des CNCP, Giuseppina Gottardi aus Trient, bestätigte mir meine Beobachtung, indem sie sagte, zur Entwicklung der eigenen Profession benötigt man 10 Jahre. Das bedeutet nicht, dass man erst nach 10 Jahren arbeiten kann. Am Anfang steht die Ausbildung, dann der Enthusiasmus und der Fleiß. Nach einer Reihe von Fehlschlägen entwickelt man die Profession und sich selbst weiter, lernt Mögliches von Unmöglichem zu unterscheiden, realistische Fragestellungen zu formulieren, entdeckt Abkürzungen und bekommt auch langsam Erfahrung, wie gut die Prognose eines Veränderungsprozesses ist.

 

Daneben ist die Kompetenz des Counsellors eine Zusatzqualifikation für Sozialassistenten, Sozialpädagogen, Erzieher, Lehrer, Pfleger, usw. Was bestimmt unsere Beziehung, und was macht dies mit mir und dem Anderen, welches realistische Ziel kann ein Gespräch haben, wie kann ich das Gespräch gestalten, dass es für den Anderen das bringt, was er sich erhofft? Wann werde ich selbst manipulierend oder dränge dem Anderen meine eigenen Werte und meine Sichtweise auf? Wie mache ich es, mich nicht in meine Hypothesen über den Anderen, die Situation, das Leben, mich Selbst zu verlieben?

Diese und andere Fragen sind für diese Berufsgruppen in ihrer Begegnung mit Menschen von äußerster Wichtigkeit. Die Ausbildung zum Counsellor führt durch die starke Beschäftigung mit der eigenen Person in diese Fragen hinein.

 

Der Counsellor als eigenständiger Beruf ist in Italien durch das Gesetz 4/13 anerkannt. Counsellor müssen sich hierbei in Berufsverbänden organisieren. Um die Tätigkeit eines Counsellors als eigenständiger Beruf auszuüben, ist zu beachten, dass es nicht genügt, etwas von Gesprächsführung zu verstehen und Einfühlungsvermögen zu haben, sondern es ist wichtig, daneben einiges über den Bereich zu wissen, innerhalb derer sich die Fragestellung des Klienten bewegt.

Beispiele:

Counsellor in Erziehungsfragen, müssen etwas über Pädagogig und Entwicklungspsychologie wissen. Selbst Kinder zu haben genügt hierzu nicht.

Counsellor in Paarfragen müssen sich intensiv spezifisch mit diesem Thema beschäftigen, selbst in einer Partnerschaft zu sein, ist noch keine Kompetenz.

Counsellor in Organisationsfragen müssen über Organisationen Bescheid wissen. Selbst in einer Organisation zu arbeiten, ist hierfür nicht Kompetenz genug

Couching von Führungskräften ist eine Form des Counsellings, welches sehr spezifische Kompetenzen benötigt.

 

Die APL wird, evtl. in Zusammenarbeit mit anderen Schulen, sobald genügend Personen mit der abgeschlossenen dreijährigen Basisausbildung hierfür Bedarf haben, Professionalisierungskurse für spezifische Bereiche anbieten.

 

In Italien wird es nicht leicht werden, dass Counselling als ein Beitrag zur Gesundheit anerkannt werden wird. Die Gesundheitsberufe und das Gesundheitssystem haben sich mit Hilfe der Gesetzgebung ihr Terrain recht gut abgesteckt. Das Stichwort, welches für Counsellor den Eintritt in diesen Bereich verschaffen würde, ist Prävention.

Im Gesundheitssystem gibt es aber immer noch Vertreter der Meinung, Prävention sei immer nur krankheitsspezifisch, diese wird von Ärzten oder Krankenpflegern gemacht. Obwohl in tausenden von Studien und dutzenden von Metastudien aufgezeigt werden konnte, dass effektive Prävention Allgemeinprävention ist. Eine Prävention, die die allgemeinen Lebensverhältnisse, den Lebensstil und die Lebenssituation des Einzelnen gesünder macht. Diese Prävention benötigt die Kernkompetenzen der Counsellor. Eine solche Prävention folgt der Definition von Gesundheit der WHO. Vertreter des Gesundheitssystems, meist Ärzte, die nur krankheitsspezifische Prävention als Prävention gelten lassen wollen, sind nicht der Gesundheit, sondern einer Berufsgruppe verpflichtet.

Im Trentino wurde für den aktuellen Gesundheitsplan erstmals die schon 30 Jahre alte Definition von Gesundheit der WHO aufgenommen. Im aktuellen Trentiner Gesundheitsplan ist auch erstmals der Counsellor als Figur genannt.

Man sieht, es gibt auch in Italien Schritte, der Profession des Counsellors Raum zu geben und die Abschottung der Gesundheitsprofessionen aufweichen.

 

Das Ausbildungscurriculum von der APL, der vom CNCP anerkannten Bildungsorganisation, ist so konzipiert, dass am Ende die Anerkennung der Teilnehmer durch den CNCP möglich ist. Dieser wiederum folgt den Kriterien des europäischen Berufsverbandes EAC und setzt die italienischen gesetzlichen Rahmenbedingungen um. Da, bezogen auf den Beruf des Counsellors, in den nächsten Jahren noch einiges in Fluss sein wird, kann es passieren, dass Ausbildungscurricula noch bei laufender Ausbildung angepasst werden müssen, damit die Anerkennung der Teilnehmer garantiert werden kann. Die APL bemüht sich auch, weitere Kontakte etwa zu österreichischen Organisationen zu knüpfen, damit transnationale Anerkennungen möglich werden.